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Studentische Exkursion 2026
Vom 28. September bis zum 2. Oktober 2026 unternahm der Masterstudiengang „Meteorologie und Klimaphysik" des KIT begleitet von Prof. Michael Kunz und Dr. Susanna Mohr eine mehrtägige Exkursion nach Süddeutschland und in die Schweiz. Das Programm führte die Studierenden zu führenden Forschungseinrichtungen, Behörden und Unternehmen im Bereich der Meteorologie und vermittelte ein Bild der breit gefächerten beruflichen Perspektiven des Fachs.
Klimawandel im Ökosystem Nationalpark
Den Auftakt bildete der Nationalpark Schwarzwald. Bei einer geführten Tour mit Wanderung durch das Gebiet um den Ruhestein berichtete Dr. Christoph Dreiser, stellvertretender Leiter des Sachgebiets „Umweltmonitoring und Geodatenmanagement", wie der Klimawandel die Wälder im Schwarzwald verändert und wie langfristige Ökosystembeobachtungen als wissenschaftliche Grundlage für Schutzstrategien dienen. Ein zentraler Punkt des Rundgangs war die Rolle des Nationalparks als großflächiges Naturlabor. Seit seiner Gründung 2014 werden dort Langzeitdaten zu den Themen Vegetation, Boden, Wasser und Tierarten erhoben, die zeigen, wie sich ein Waldgebiet ohne forstwirtschaftliche Eingriffe unter den Bedingungen des Klimawandels verändert.
Vom nationalen Wetterdienst zur Universitätsforschung: Ein Tag in Zürich
Am Folgetag stand Zürich auf dem Programm: Beim Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie (MeteoSchweiz) am Flughafen Zürich erhielten die Studierenden zunächst einen allgemeinen Überblick über die Aufgaben des nationalen Wetterdienstes. Eine anschließende Führung durch die Prognosezentrale bot einen unmittelbaren Blick in die praktische Arbeit der dort tätigen Meteorolog:innen, die im 24- Stunden-Betrieb Wetterprognosen erstellen, Unwetterwarnungen an Behörden und die Bevölkerung ausgeben und die Flugwetterberatung für den Flughafen Zürich sicherstellen.
Anschließend folgte ein Besuch am Departement Umweltsystemwissenschaften (D-USYS) der ETH Zürich. Nachdem Promovierende aus der Klimaphysik-Forschung die einzelnen Institute vorgestellt hatten, gaben drei Forschende Einblicke in ihre Arbeitsgebiete: Prof. Heini Wernli erläuterte die atmosphärische Dynamik am Beispiel von Hitzewellen und Warm Conveyor Belts. Prof. David Bresch präsentierte die Forschung der Wetter- und Klimarisikogruppe zum Risikokonzept und zur Bewertung von Anpassungsmaßnahmen. Dr. Cyril Brunner rundete den Besuch mit Themen der Klimamitigation und Wissenschaftskommunikation ab, bevor die Ausstellung „KEEP IT CO₂OL" im FocusTerra als Beispiel für gelungene Wissenschaftskommunikation besucht wurde.
Ökosystemforschung am KIT-Campus Alpin
Der dritte Tag führte an den KIT-Campus Alpin in Garmisch-Partenkirchen zum Institut für Meteorologie und Klimaforschung – Atmosphärische Umweltforschung (IMKIFU). Das Institut untersucht die Wechselwirkungen zwischen Atmosphäre, Biosphäre und Gesellschaft in urbanen und montanen Räumen. Zu den Forschungsschwerpunkten zählen unter anderem der Austausch von Spurengasen und Treibhausgasen zwischen Vegetation, Böden und Atmosphäre, die Wirkung von Klimawandel und Luftschadstoffen auf Ökosysteme sowie atmosphärische Fernerkundung. Zudem besichtigten die Teilnehmenden das Gewächshaus des Instituts, in dem Bäume unter kontrollierten Umweltbedingungen – etwa simuliertem Trockenstress – untersucht werden, um ihre Reaktion auf den Klimawandel experimentell zu erfassen. Eine Wanderung durch die Höllentalklamm bis zur Höllentalangerhütte rundete den Tag ab; der Weg entlang der Klamm vermittelte einen unmittelbaren Eindruck von der Landschafts- und Gletschergeschichte des Wettersteingebirges.
Zwischen Atmosphärenforschung und Toteis: Die Zugspitze als Forschungsstandort
Ein Höhepunkt der Exkursion war am vierten Tag der Besuch auf der Zugspitze, unter anderem an der Umweltforschungsstation Schneefernerhaus auf dem Zugspitzplatt. Als höchstgelegene Forschungsstation Deutschlands, direkt unterhalb des Gipfels auf rund 2.650 m gelegen, dient sie der Messung von Aerosolen und Spurengasen sowie der Beobachtung von Wolkenprozessen unter Randbedingungen, die in tieferen Lagen nicht realisierbar sind. Die Station wird von mehreren Forschungseinrichtungen, darunter dem KIT, gemeinsam genutzt und bietet die Möglichkeit, Prozesse in der freien Atmosphäre – etwa den Ferntransport von Luftschadstoffen oder den Strahlungshaushalt – unmittelbar vor Ort zu untersuchen, was sie zu einem wichtigen Standort für Klimaforschung und atmosphärische Langzeitbeobachtung macht.
Im Rahmen einer anschließenden Gletscher- und Klimaexkursion auf dem Zugspitzplatt konnte vor Ort nachvollzogen werden, wie sich der Rückgang der Alpengletscher vollzieht. Der Nördliche Schneeferner gehört zwar zu den letzten verbliebenen Gletschern Deutschlands, ist durch den rapiden Schwund aber stark geschrumpft, sodass die Studierenden weite Flächen betraten, die überwiegend als Toteis bezeichnet werden können.
Von der Risikomodellierung zur Raumfahrt
Am letzten Tag schlug das Programm den Bogen von der Forschung in die Praxis: Beim Besuch der Allianz in München erfuhren die Studierenden, wie meteorologisches Fachwissen in der Bewertung von Wetter- und Klimarisiken im Versicherungsgeschäft angewendet wird. Im Zentrum stand dabei die Risikomodellierung: Katastrophenmodelle kombinieren Gefährdungsanalysen (z. B. zu Sturm-, Hagel- oder Hochwasserereignissen) mit Daten zu Exposition und Vulnerabilität. Auf dieser Grundlage können sie Schäden probabilistisch quantifizieren und somit Versicherungsprämien sowie Rückversicherungsstrategien ableiten.Anschließend gewährte das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen Einblicke in die Forschungsflugbetrieb und die atmosphärische Fernerkundung. Dr. Marc Puskeiler – selbst ehemaliger Meteorologiestudent und Promovierender am KIT und heute Pilot in der DLR-Forschungsflotte – erläuterte anhand der Forschungsflugzeuge des DLR, allen voran des Forschungsflugzeugs HALO, wie wissenschaftliche Flugeinsätze vorbereitet und durchgeführt werden. Dabei ging er auf die einzelnen Schritte von der Missionsplanung über das Fliegen präziser Messprofile bis hin zur engen Abstimmung zwischen Cockpit und Forschungsteam an Bord ein. Ein Besuch im Deutschen Raumfahrtkontrollzentrum (German Space Operations Center, GSOC) bildete den Abschluss der Woche.
Vielfältige Perspektiven für den Berufseinstieg
Die Route war bewusst vielfältig angelegt: Sie zeigte den angehenden Meteorolog:innen – inhaltlich wie auch hinsichtlich möglicher Arbeitgeber – wie vielfältig die Arbeitsfelder des Fachs sind: von der Grundlagenforschung an Universitäten und außeruniversitären Instituten über öffentliche Einrichtungen wie den nationalen Wetterdienst oder Naturschutzbehörden bis hin zur Privatwirtschaft beispielsweise Versicherungen. Das vielfältige Programm kam bei den Teilnehmenden gut an, da es ihnen half, das eigene berufliche Profil einzuordnen und neue Berufsfelder kennenzulernen – und natürlich erhielten sie auch jede Menge neue, spannende Informationen zum weiten Komplex der Meteorologie und Klimaforschung.